Das Poesiealbum

Das Poesiealbum hat sich bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts entwickelt. Heute ist es (leider) dem Freundschaftsbuch gewichen, in dem meist vorformulierte Fragen über Hobbys, Lieblingsstars oder Ähnlichem zu beantworten sind.

Der Ursprung des Poesiealbums ist eigentlich ein Stammbuch. Damals haben unsere Vorfahren guten Freunden ihren Namen, einen Wahlspruch und ihr Wappen in das Stammbuch geschrieben. Später kamen auch Zeichnungen und Widmungen zu den Sinnsprüchen hinzu und so hat sich das Stammbuch im Laufe der Zeit zum Erinnerungsbuch entwickelt. Im 19. Jahrhundert hatte das Poesiealbum seine Blütezeit. Hier haben sich Mitglieder literarischer Zirkel gegenseitig in eigens dafür angeschafften Heften mit künstlerischen Beiträgen und Versen verewigt.

Freundschafts- und Vertrauensbeweis

Etwa in den 1950er Jahren haben dann vor allem Kinder kleine, quadratische, gebundene Bücher an ihre Freunde weitergegeben, die einen kleinen Spruch hineinschreiben sollten. Das galt als Freundschafts- und Vertrauensbeweis. Zu Beginn 1980er Jahre war es sogar kurzzeitig unter Jungs modern, ein Poesiealbum zu besitzen. Leider hielt dieser Trend nicht lange an.

Durch Weitergabe des Albums an Mitschüler, Freunde, Lehrer, Verwandte und Bekannte hat der jeweilige Besitzer poetische Verse gesammelt. In der Regel stand für jeden Eintrag die rechte Buchseite zur Verfügung, auf der linken Seite war so Platz für kleine künstlerische Gestaltungen. Großer Beliebtheit erfreuten sich Glitzer- und Glanzbilder und später dann die Sticker.

Persönliche Eintragungen lesen

In der heutigen Zeit hat kaum noch ein Mädchen ein Poesiealbum. Das ist eigentlich sehr schade, denn diese persönlichen Eintragungen lesen Erwachsene in einer ruhigen Minute immer mal wieder gerne nach. Beispielsweise wenn sie sich in ihrem Studium an die alten Freunde aus der Kindheit zurückerinnern möchten und in ihrem Poesiealbum dann das eine oder andere Mal auf fast schon vergessene Freunde stoßen.